Rente mit 40 Jahren.

Das wollen Frugalisten.

Finanzielle Unabhängigkeit,

um Ihre Ideen und Lebensziele zu verwirklichen.

Eben nicht 9to5 ins Büro.

Eben nicht „Karriere“ machen.

Allein das ist schon sympathisch.

Um das zu erreichen, werden Sie zu Extremsparern

mit Sparquoten von bis zu 70% Ihrer monatlichen Einkünfte.

Aber passt der Hausbau überhaupt zur neuen Religion der Supersparer?

Und was können ganz normale Bauherren von Frugalisten lernen?

Darum soll´s heute gehen.

Text: Mario Hermann, Letzte Bearbeitung: 16.2.2021

1 HAUSBAU FÜR FRUGALISTEN? – IMMOBILIEN ALS KAPITALANLAGE

Der typische Frugalist ist ja nicht nur kreativer Sparer sondern auch cleverer Investor.

Immer auf der Suche nach profitablen Finanzanlagen.

Wenn das Geld wächst und erste Investitionen in Aktien und Edelmetalle Früchte tragen, bieten sich andere Möglichkeiten.

Immobilien werden greifbar.

Lass uns mal darüber nachdenken, welche Vor- und Nachteile diese Anlageklasse für den Frugalisten hat.

1.1 VORTEILE BEIM HAUSBAU

  1. Den größten Kostenblock „Miete“ kannst Du mit einer selbstgenutzten Immobilie von der Konsum- auf die Investmentseite verschieben. Eine einfache Rechnung zeigt das Potential dieser Idee: Wenn Du durchschnittlich 500€ Kaltmiete pro Monat zahlst, sind das 6.000€ pro Jahr, 60.000€ in 10 Jahren und 180.000€ in 30 Jahren. Bei 1.000€ Kaltmiete sind das nach 30 Jahren schon 360.000€ Ersparnis. Der wesentliche Unterschied ist, dass dieses Geld nicht einfach weg ist, sondern investiert. Also sparst Du Dir das Geld nicht nur, sondern erwirtschaftest damit sogar eine Rendite. Solange die Immobilienpreise weiter steigen, stehen die Chancen dafür gut.
  2. Diversifizierung Deiner Anlageklassen. Wenn der Aktienmarkt mal abstürzt, bieten selbst genutzte Immobilien eine ganz andere Art der Sicherheit.
  3. Alternative Konzepte, wie Selbstversorgung mit Gemüse und Früchten aus dem eigenen Garten oder Brennholz aus dem nahen Wald können umgesetzt werden. Und wenn Du willst, kannst Du auch in einem Tiny House wohnen.
  4. Der Freiraum zur Realisierung eigener Projekte steigt. Auch die Möglichkeiten zum Aufbau eines Nebenerwerbs steigen.

Das Potential geht also weit über andere Kapitalanlagen hinaus.

Aber wie immer im Leben: Wo es Vorteile gibt, sind die Nachteile nicht weit…

Lass uns mal schauen, was Du auch bedenken solltest.

1.2 NACHTEILE BEIM HAUSBAU

  1. Bis mein erster Sohn geboren wurde, wollte ich keine Immobilien, weil: IMMOBILIEN MACHEN SO SCHRECKLICH IMMOBIL. Damals hatte ich einfach Schiss, mich von einer Immobilie bei der Jobwahl oder Partnerschaft eingeengt zu fühlen. Keinesfalls wollte ich nochmal eine Fernbeziehung oder wegen dem Job weite Strecken pendeln. Solange im Job und der Beziehung nicht die Weichen für die Zukunft gestellt sind, fühlen sich Immobilien eher wie ein Klotz am Bein an.
  2. Nicht gern gehört, aber oft Realität: Selbst nach erfolgreichem Hausbau bekommst Du beim Verkauf Deiner Immobilie NICHT automatisch den gleichen oder einen höheren Preis. Auch wenn der Markt gut ist.
  3. Alle anderen Nachteile wirken ein bisschen wie trotzige Argumente von Leuten, die sich kein Haus leisten können, das gebe ich zu. Beispiel gefällig? Anders als die meisten alternativen Kapitalanlagen bindet EINE EINZIGE Immobilie viel Geld und kann meist nicht geteilt werden. Eine selbst genutzte Immobilie für die Du den letzten Groschen zusammenkratzt, ist also das komplette Gegenteil einer diversifizierten Anlagestrategie. Und bei finanziellem Notstand dauert der Wiederverkauf meist auch mehre Monate.
  4. Ach noch was, dass ich vor meiner ersten Immobilie grob unterschätzt habe: Selbst genutzte Immobilien fressen Zeit. Wenn Du keinen Gärtner und Hausmeister hast, gibt´s regelmäßig was zu tun. – Rasen schneiden, Hecke schneiden, Laub entfernen, Bäume schneiden, Schneeschieben, Dachrinne säubern, Zaun streichen und so weiter. Ich mach das zwar [noch] gern, aber ich kann mir gut vorstellen, meine Zeit auch anders zu verbringen.

So, Schluss jetzt.

Für mich überwiegen trotzdem die Vorteile!

Und ich bereue nicht´s, denn mein Haus gibt mir ein Gefühl von Freiheit und selbstbestimmtem Leben.

Und ich messe meine Lebensqualität nicht nach meinem Kontostand, sondern lieber an meinen Möglichkeiten eigene Ideen umzusetzen. Das geht mit Haus und Grundstück einfach wesentlich besser.

Vielleicht wunderst Du Dich, dass ich hier nicht von Rendite und Wertsteigerung schreibe.

Die finanzielle Seite kommt jetzt.

Dabei ist vor allem die durchschnittliche Wertentwicklung im Vergleich zu Aktien spannend.

1.3 PERFORMANCEVERGLEICH: AKTIEN VS SELBST GENUTZTE IMMOBILIE

Wir nähern uns dem Thema mal mit gesundem Menschenverstand. Gegenüber wissenschaftlichen oder allgemeingültigen Modellen hat das den Vorteil, dass wir unser Hirn von Anfang an einschalten und uns nicht einfach berieseln lassen.

Wir bewegen uns auf einer relativ abstrakten Ebene, weil wir eben nur Durchschnitte vergleichen können.

Wie gut das funktioniert, kannst Du Dir sicher denken.

Wenn nicht, stell Dir vor, Du fragst erst einen Wirecard Aktionär und dann einen Apple Aktionär, ob Aktien eine gute Kapitalanlage sind.

Wenn ich also Aktien und selbst genutzten Immobilie rein aus Sicht des eiskalten Investors vergleiche, dann sollte die KAPITALANLAGE HAUS doch mindestens die gleiche Rendite abwerfen, oder?

Schaun wir mal auf ein kleines Gedankenspiel.

Achtung: Es geht mir hier nicht um reale Preise, sondern nur darum eine Tendenz greifbar zu machen!

Performance Aktien vs Hausbau

Überschlägiger Vergleich einer Beispielanlage von 350T€ in Aktien und selbst genutzen Haus. Berechnung der Instandhaltungskosten nach Petersscher Formel.

FAZIT: UM MIT DEM EIGENEN HAUS DIE GLEICHE RENDITE, WIE MIT AKTIEN EINZUFAHREN, MUSS SICH DER IMMOBILIENWERT IN 20 JAHREN VERVIERFACHEN!

Puh, wer hätte das gedacht.

Ob das für Deine Gegend realistisch ist, mußt Du selbst entscheiden.

Zum Abschluß noch ein besonderer Vorteil von Immobilien:

Sie sind eben nicht nur Versprechen, sondern Realität.

Was viele vergessen:

Geld ist eigenltich nur das Versprechen, dafür etwas kaufen zu können.

Oder was glaubst Du, würde Dir ein Neandertaler im Tausch gegen einen 100€ Schein geben?

Wahrscheinlich einen Knochen vom letzten Reh – aus Mitleid.

Und mit Aktien kaufst Du letztlich auch nur das Versprechen für zukünftige Gewinne.

Immobilien verschwinden nicht so einfach, Sie haben immer einen Wert.

Und nicht nur finanziell.

Selbst mitten in Europa, in Moldawien, sieht man welchen Wert ein Stück Land bei wirtschaftlichen Krisen haben kann.

In Coronszeiten werdn die Menschen hier wieder Selbstversorger.

Gut, wenn Du dann ein eigenes Dach über dem Kopf hast und ein bisschen Garten, wo Du etwas anbauen kannst.

Und selbst, wenn diese Situation nie eintritt, bleibt trotzdem ein gutes Gefühl.

1.4 DER ZINSESZINS IST EIN MÄCHTIGER GOTT

Meine Frau ist skeptisch.

Du vielleicht auch.

Also bekommst Du von mir das Worst-Case-Szenario.

Wir gehen mal davon aus, das es kurz nachdem ich in Aktien investiere, einen Börsencrash gibt. Die Aktien verlieren 35% an Wert. Und danach folgen mehrere Jahre mit durchschnittlicher Performance. Und eben keine große Gegenbewegung.

Sagen wir, die Aktien steigern Ihren Wert danach trotzdem nur um 10% pro Jahr.

Welche Wertsteigerung muss die Immobilie dann noch liefern, damit das Vermögen nach 20 Jahren gleich ist?

Überraschung: Immer noch fast das Dreifache!

Jetzt ist es Zeit auch mal die andere Prespektive einzunehmen.

2 WAS KÖNNEN BAUHERREN VON FRUGALISTEN LERNEN?

2.1 SPAREN UND SICH DABEI GUT FÜHLEN

Das ist gar nicht so einfach.

Ich gebe zu, ich hatte auch Schiss.

Gerade am Anfang als unerfahrener Bauherr, der sparen wollte.

Bei jeder Entscheidung meldet sich das Unterbewusstsein.… wer billig baut, baut zweimal.

Aber ein bissl was kann man wagen.

Und wenn Du Dir Zeit nimmst, dann hast Du die Möglichkeit mehr zu wagen und Dich von dem Marketinggetöse da draußen zu befreien.

Wenn Du allen Versuchungen nachgibst, dann fühlt es sich kurzfristig immer gut an.

Mehr Zucker, mehr Fett, mehr Alkohol, mehr Sachen.

Aber Du wirst ein fetter Alkoholiker mit beginnendem Messie-Syndrom.

Wenn Du Dich länger gut fühlen willst,

dann triffst Du bewusste Entscheidungen.

Vielleicht triffst Du nicht immer das Optimum.

Drauf gesch###en.

Bewusste Entscheidungen sind der Stoff, der Dir das Gefühl von Macht gibt.

Du allein entscheidest, was Dir wichtig ist.

Das fühlt sich auf Dauer gut an.

Weil Du Dir selbst eine Meinung gebildet hast.

Und eben nicht nur das Mantra der Werbeslogans wiederholst, wie ein hirnloser Affe.

Das ist die Formel, um sich wirklich gut zu fühlen.

Und das kannst Du in allen möglichen Lebenssituationen ausprobieren.

Und besonders lohnt es sich, wenn Du beim Hausbau sparen willst.

Hidden Content

2.2 DER VORTEIL VON SELBST ERWIRTSCHAFTETEM EIGENKAPITAL

Klar, es fühlt sich besser an, weniger Kredit aufzunehmen, aber das meine ich nicht.

Es ändert Deine Einstellung.

Jeder, der mit selbst gespartem Eigenkapital ein Bauprojekt startet, weiß noch genau, mit wie viel Aufwand er das Geld gespart hat. Dieses Geld gibt man vorsichtiger aus, als das von der Bank.

Denn beim Kreditvertrag fühlst Du keinen großen Unterschied, wenn da 300.000€ statt 250.000€ steht.

2.3 KREATIVITÄT BRAUCHT MANGEL

Ich geb´s zu, ich bin Ossi.

Als Knisps habe ich immer die Selbstbauten meines Opas bewundert.

Entsafter, Bandsäge, Grill – alles hat er selbst gebaut.

Einfach weil es nix Gescheites gab.

Das können sich meine Kinder schon gar nicht mehr vorstellen.

Mangel herrscht heute eher an Allem, was man nicht einfach kaufen kann.

Der Überfluss ist so groß, dass es immer mehr Menschen gibt, die sich Mangel verordnen.

Und nur das Nötigste kaufen.

Ich finde, das ist eine besondere Erfahrung.

Mit mir ist dabei Folgendes passiert:

  1. Einige Dinge, die ich kaufen wollte, vermisse ich gar nicht und vergesse auch schnell, dass ich Sie kaufen wollte.
  2. Für alles, was ich wirklich brauche, suche ich Alternativen. Vielleicht sind die nicht so bequem, aber was soll´s, wenn ich Sie eh nur einmal im Jahr brauche.
  3. Wenn ich keine fertige Alternative habe, dann bau ich mir eine. Zugegeben, das klappt nicht immer.

Klingt archaisch.

Aber wenn Du Dir selbst eine Alternative baust, passiert etwas Erstaunliches.

Wenn es was werden soll, musst Du in Funktionen denken.

Und dieses Denken öffnet Dir eine völlig neue Welt.

Du trittst ein in die Matrix.

Du verstehst, warum Dinge so sind.

Und selbst bei Themen, von denen Du keine Ahnung hast, lernst Du die richtigen Fragen zu stellen.

Wenn Du von den Funtkionen her denkst.

Dann bist Du frei – und kannst freie Entscheidungen treffen, die eben nicht von Marketingfloskeln geprägt sind, sondern von Deiner Überzeugung.

Diese Kreativität durch Mangel wurde beim Ossi ja schon seit früher Kindheit gefördert.

Da hatte man eben 10 Spielsachen, nicht 1000.

Ein bisschen schade, dass diese Kreativität schon fast verschwunden ist.

Also falls Du versteckt noch ein paar Ossi-Gene in Dir schlummern, dann nutze Sie für den Hausbau.

Bisschen weniger IMMER – ALLES – SOFORT tut uns allen gut.

2.4 DER UNTERSCHIED ZWISCHEN INVESTITION UND KONSUM

Viele Bauherren denken, der Hausbau ist die größte Investition Ihres Lebens.

Vielleicht.

Vielleicht ist es aber auch der größte Konsumrausch Deines Lebens.

Frugalisten ist der Unterschied zwischen Investition und Konsum gut bekannt.

Nur weil Du viel Geld ausgibst, ist es noch lange keine Investition.

Deine Stirn legt sich vermutlich gerade in Falten.

Gut.

Grübeln ist ein guter Anfang.

Lass mich erklären, was ich meine.

Beim Investment versuchst Du das Risiko zu minimieren und den Profit zu maximieren. Richtig?

Also geht es darum am Ende mehr davon zu haben.

Beim Konsum befriedigst Du einfach Dein Bedürfnis nach Dingen, ohne an Profit zu denken.

Der Unterschied: wenn Du etwas konsumierst, ist es am Ende nichts mehr Wert.

Wenn Du investierst, hast Du die Chance, dass es seinen Wert steigert.

Wenn Du als Bauherr also ausschließlich an die Verwirklichung Deiner Träume denkst, dann wird das nicht unbedingt ein gutes Investment.

Aber was würde also passieren, wenn Du als Bauherr nicht Dein eigenes Nest baust, sondern ein Investment in dem Du zufällig die ersten Jahre selbst wohnst?

Wahrscheinlich sind Dir dann ganz andere Fragen wichtig.

Du würdest Dich schon in der Planungsphase Deines Hauses fragen: Wie kann ich den Verkaufspreis maximieren?

Wie kann ich ein Haus bauen, dass Menschen in 50 Jahren noch attraktiv finden?

Ein Zauberwort heißt DESIGN.

Schöne Dinge werden viel länger erhalten.

Das siehst Du täglich bei Klamotten, Möbeln, Lampen, Autos und natürlich auch bei Häusern.

Und Menschen sind bereit, viel tiefer in die Tasche zu greifen, um etwas Schönes zu besitzen.

Herausragendes Design wirst Du beim Hausbau nur vom Architekten erhalten.

Wenn Du also überlegst, ein Architektenhaus zu bauen, dann könnte es sich lohnen.

Schon wegen der Werterhaltung…

Sieht ganz so aus, als wenn Hausbau und Frugalismus ein gutes Team abgeben.

Vielleicht sind Frugalisten sogar die besseren Bauherren.

Was meinst Du?

Schreib einfach einen Kommentar!

Viele Grüße und bleib neugierig.

Dein Mario

PS: Wenn Du mehr über Frugalismus wissen sillst, schau doch mal beim Blog von Oliver Noelting vorbei: FRUGALISTEN.DE

Sparen beim Hausbau - Der Macher: Mario Hermann
ZUM AUTOR: Mario Hermann ist ein echter Sachse / hat an der TU Dresden Landschaftsarchitektur und Wirtschaft studiert / kennt Planungsbüros noch aus dem ersten Arbeitsleben und hat nach 10 Jahren den Job bei der Unternehmensberatung an den Nagel gehängt / sucht nicht nur Antworten, sondern das System dahinter / schätzt das Know How von Architekten und findet Handwerker gar nicht so übel / hat seinen Hausbau zum Experiment gemacht und teilt seit 2017 seine Erfahrungen mit anderen Bauherren / mag alte Bäume, Craft Beer und Dry Aged Beef.

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