Alles im Arsch

Klar.

Eigenleistungen beim Hausbau – kein Ding.

Ich will ja günstig bauen.

Und der Baumarkt verspricht: „Wenn’s gut werden muß.“

Aber Du brauchst mehr als Baumarkt und Youtube.

6 Tipps, für erfolgreiche Eigenleistungen beim Hausbau

#1 Wie hoch ist das Risiko?

Wer nicht’s macht, macht auch nicht’s kaputt. Ich mach lieber was. Schief gehn kann immer was.

Wenn Du beim Hausbau richtig sparen willst, dann nicht mit den üblichen Eigenleistungen.

Mittlerweile sind 80% meiner Gewerke vergeben. Wer liegt am Meisten über Budget? Handwerker bei denen Eigenleistungen so gut wie nie vorkommen. Elektriker, Heizung und Sanitär, Putzer. Ohne meine Eigenleistungen würden Tiefbau und Dach noch mit dazu kommen. Wer ist im Budget oder drunter? Maler und Parkettleger.

Wenn Du mutig bist, dann versuch ruhig mal exotische Eigenleistung. Ein Freund hat beispielsweise seine Heizung bei eBay gekauft. Und dann keinen Handwerker für den Einbau gefunden und das Ganze schließlich selbst eingebaut. Mit dem Support eines führenden Hersteller war’s möglich.

Bevor ich Eigenleistungen beginne, überlege ich immer sehr genau, was im schlimmsten Fall passieren kann. Das hilft mir, um ein gutes Gefühl zu bekommen. Neues reizt mich immer. Das ist schonmal kein Kriterium für mich.

Aber wo ist meine Grenze?

  • Wenn ich durch eine schlechte Leistung (Ist ja nicht ganz ausgeschlossen) Bauverzug verursachen würde.
  • Das Gewicht der Materialien ist eine weitere, beim Holzfällen zum Beispiel.
  • Teures Spezialwerkzeug das man nicht ausleihen kann schreckt mich auch ab.
  • Und schließlich muß ich immer in der Lage sein das Ergebnis zu prüfen. Ohne, das gleich ein großer Schaden entsteht.

Wo liegt Deine Grenze? Kannst Du gern in die Kommentare schreiben.

#2 Kenne ich die Tricks der Profis?

Es sieht ja so einfach aus. Ja, bei Profis ist das so.

Ohne Profi dauerts schonmal länger. Oder wird gar nicht’s.

Beispiel: Raufasertapete mit der Abreißschiene reißen – statt schneiden. Das spart Dir bestimmt 80% Zeit. Und die Abrißkanten sind rauh und fallen nach dem Ankleben nicht mehr auf. Eine typischer Profitrick. Einfach und genial.

Youtube hilft hier weiter. Manchmal.

Am Besten Du arbeitest erstmal mit einem Profi zusammen, um zu lernen. Als Bauhelfer zum Beispiel. Oder Du fragst nach einem Tag Workshop gemeinsam auf der Baustelle. Das kostet sicher nicht die Welt.

#3 Habe ich das Werkzeug der Profis?

Das Werkzeug macht den Unterschied. Das überrascht jetzt nicht.

Aber wenn Du wie ich beim Bauen mit wenig Vorkenntnissen startest. Dann ist erstmal die Frage: Was ist gutes Werkzeug? Das findest Du am Besten raus, indem Du die Handwerker fragst, die eh auf der Baustelle sind. Die können Dir sagen, worauf es ankommt.

Und klar, vollständig sollte es auch sein. Klingt banal.

Ist es auch. Trotzdem hat mir am Anfang oft was gefehlt.

Kleinigkeiten, die meistens nicht mal direkt etwas mit der Arbeit zu tun hatten. Eine Zange zum Beispiel, um einen Nagel zu ziehen.

Aber ohne Zange siehst Du ziemlich alt aus.

Wenn Du auf der Baustelle bist, willst Du schließlich arbeiten, nicht spielen. Also achte auf gutes Werkzeug und eine ordentliche „Grundausstattung“ damit Du nicht gleich wieder zum Baumarkt rennen mußt.

Eigenleistung-Arbeitsschutz
Arbeitsschutz ist Pflicht
Eigenleistung - Ordnungssystem für Werkzeug
Ordnung für mein Werkzeug, damit ich nicht wahnsinnig werde.
Eigenleistung mit Gerüst
Mit dem Gerüst komme ich überall hin. Ausgaben für Gerüst und 2 Leitern: ca. 600€.

#4 Vom Laie zum Profi

Als ich mit dem Hausbau gestartet bin, konnte ich gerade mal tapezieren, malern und etwas Landschaftsbau. Jetzt habe ich schon einen Motorsägenschein, 15 Festmeter Holz gehackt, die Versickerungsmulde selbst gebuddelt und den Schornstein gemauert. Kalkputz im Bad und Holzdecke streichen ist in Vorbereitung.

Kurz gesagt. Neues schreckt mich nicht.

„Was ein Mann kann, kann auch ein anderer.“

Aus dem Film: Auf Messers Schneide.

Die zentrale Herausforderung sind Ansichtsflächen. Die müssen gut werden. Und zwar die ganze Fläche in gleichbleibender Qualität. Nun ist es leider so, das man bei neuen Arbeiten erstmal die Handbewegungen verinnerlichen muß. Bald wird das zur Routine, aber bis dahin verändert sich auch die Qualität.

Deshalb habe ich mir bei Neuland 3 Schritte angewöhnt.

# Eigenleistung Hausbau Schritt 1: Materialprobe erstellen.  Dazu verwende ich exakt die Materialien und Werkzeuge, die ich später einsetzen will. Da kann es schonmal passieren, dass eine Musterfläche im Baumarkt anders aussieht. Zum Beispiel eine Holzlasur, die im Baumarkt schön matt aussieht. Zuhause dann aber eine glänzende Oberfläche hat.

# Eigenleistung Hausbau Schritt 2: Probefläche erstellen. Dann gehe ich auf die Baustelle und suche mir einen Bereich, wo Fehler nicht so auffallen. Meine Lasur für die Holzschalung teste in beispielsweise zuerst auf dem Boden. Jetzt entwickelt sich Routine. Ich werde mit den Werkzeug warm und nehme Fahrt auf.

# Eigenleistung Hausbau Schritt 3: Die Premiumfläche. Die muß gut werden. Bei der Lasur der Sichtschalung im Wohnzimmer gibt es genau einen Versuch. Aber durch meine Vorbereitung bin ich zuversichtlich. Die Fläche bearbeite ich nun exakt mit den gleichen Materialien, Werkzeugen und Techniken, wie in Schritt 2. Auch wenn mir noch eine schnellere Methode einfällt. Egal. Wichtig ist die gleichbleibende Qualität.

Materialprobe Sumpfkalkfarbe
Materialprobe Sumpfkalkfarbe
Eigenleistung - Probeflaeche
Probefläche Sumpfkalkfarbe und Wandlasur. So ist es dann doch nicht geworden.
Notizblock sichert Erfahrungen
Notizblock für Farbmischungen, Lösungsskizzen, Einkaufzettel Baumarkt, usw.

#5 Das wird knapp

Macht es Sinn die Zeit für Eigenleistung vorher zu planen?

Ja, um zu sehen, was überhaupt machbar ist. Aber im Detail kommt es oft anders als gedacht. Also scheint alles außer eine grobe Planung übertrieben.

Grob geplant ist beispielsweise: Tapezieren und Streichen 2 Mann – eine Woche.

Bei mir haben Eigenleistungen, die ich das erste Mal gemacht habe, immer ca. doppelt so lang dedauert.

Aber wo geht am meisten Zeit drauf?

# Eigenleistung Hausbau – Zeitfresser 1: Fehlendes Werkzeug, das erst beschafft werden muß. Auch wenn man alles zusammen hat, was man für die geplanten Arbeiten braucht, kommt oft noch Anderes dazu. Beispielsweise, um den Untergrund erstmal vorzubereiten. Damit man überhaupt arbeiten kann. Besser Du hast immer eine Grundausstattung an Werkzeug dabei.

# Eigenleistung Hausbau – Zeitfresser 2: Zu wenig Material. Manchmal braucht man einfach mehr. Nicht nur, dass ein bisschen mehr Verschnitt anfällt, wenn die Routine fehlt. Da gibt es Überlappungen von Dichtungsbahnen zu berücksichtigen oder es gibt Verdichtungswerte, von Schüttmaterial.

# Eigenleistung Hausbau – Zeitfresser 3: Die Qualität des Materials. Nicht immer legt man aufwändige Probeflächen an. Passt schon, habe ich beispielsweise gedacht, als der Baumarktverkäufer mir für die Unterkonstruktion von Gipskarton sägerauhe Leisten empfohlen hat. Dumm nur, dass diese zwar im Querschnitt 40×60 verkauft werden. Tatsächlich aber in der Stärke bis 10% schwanken können. Der Gipskarton kann darauf nicht gerade werden. Unmöglich. Auch bei Farben setzte ich lieber auf gutes Material, einfach um mir einen weiteren Anstrich zu sparen.

#6 Ich hab doch meine Bauhelfer

Bauhelfer beschleunigen die Arbeit ungemein. Manchmal ist man zu zweit mehr als doppelt so schnell.

Gerade wenn die Zeit knapp wird, ist das ein Vorteil.

Die Herasuforderung ist, alle so einzusetzen, das es passt. Also jeder genug Platz für seine Arbeiten hat und das entsprechende Werkzeug auch vorhanden ist.

Dafür macht die Arbeit mit dem richtigen Trupp mega Spaß. Im Optimalfall, wenn Ihr gut aufeinander abgestimmt seit, geht es rasend schnell.

Es geht aber auch anders:

Wenn die Qualitätsansprüche unterschiedlich sind. Dann kann’s auch nach hinten los gehen. Oder Du hast 2 dabei, die erstmal Schwanzlänge messen müssen und Ihre Handwerkerexpertise zur Schau stellen.

Na dann: Ran an die Eigenleistungen beim Hausbau!

Denn ganz ehrlich: Eigenleistungen sind geil.

Du lernst was Neues, sparst und hast Spaß. Mit der entsprechenden Vorbereitung kannst Du einiges schaffen.

Und das Gefühl, dass Du selbst einen Teil vom Haus gebaut hast ist unübertroffen.

Ich wünsch Dir viel Erfolg mit Deinen Eigenleistungen beim Hausbau!

Bleib neugiereig und mutig.

Dein Mario

Meine Experimente mit günstigen Materialien:

Oktober 2017|5 Kommentare

5 Kommentare

  1. […] Und Eigenleistungen sind auch kein Selbstläufer. Willst Du wissen, worauf es ankommt? Dann bitte hier lang. […]

  2. Lars 15. August 2018 um 10:52 Uhr - Antworten

    Ich danke Ihnen für den interessanten Artikel. Eigenleistungen sind schön und gut. Da sollte man sich aber nur rantrauen, wenn man mit der Materie zu 100% vertraut ist.
    Mit besten Grüßen,
    Lars

    • Mario Hermann 15. August 2018 um 11:52 Uhr - Antworten

      Hallo Lars,
      ich habe doch etwas überlegt, ob ich Deinen Kommentar freischalten soll. Als Linkspender für MFS – einem Großhandel für Haustechnik – kannst Du bestimmt noch etwas mehr beitragen. Wie würdest Du als Insider Kosten bei der Haustechnik sparen? Das interessiert meine Leser bestimmt brennend.

      Ich habe im Bereich Eigenleistung genau die gegenteilige Erfahrung gemacht.
      Wenn ich nur Eigenleistungen gemacht hätte, von denen ich vorher schon 100% verstehe, dann wäre nichtmal Wände streichen mit Sumpfkalkfarbe übrig geblieben.
      Meine Fehlerquote ist nicht höher als die von Handwerkern. Die mangelnde Praxiserfahrung gleicht man in der Regel mit der höheren Motivation locker aus. Man braucht nur (manchmal) länger.

      Viele Grüße und Viel Glück mit Deinen SEO-Aktivitäten!
      Mario

      PS: Wenn Du mal einen Link willst, der 100 Mal mehr wirkt, dann melde Dich.
      Du kannst gern einen qualifizierten Gastbeitrag schreiben.

  3. T001ewr 11. Dezember 2017 um 6:35 Uhr - Antworten

    Toller Beitrag! Ich habe 2014 ein Haus gekauft und Kernsaniert. Bis auf das Dach und der Einbau der Fenster habe ich alles in Eigenleistung gemacht. (Heizung, FuBo, Wasser, Strom, neue Wände, Anbau ect.)
    Ich würde das jederzeit wieder tun, man wächst ungemein daran. Ja, ich habe einiges an Werkzeugen gebraucht und ja ich habe etliche Stunden im Internet verbracht oder mit Fachkräften gesprochen um mir Wissen anzueignen… Das alles kostet Unmengen an Zeit, und trotzdem passieren als „Leihe“ immer auch mal wieder Fehler. Aber nichts macht einen so stolz (vor allem als Frau) wenn man weiss das man das alles selbst erschaffen hat.

  4. Baublogliste.de 19. Oktober 2017 um 7:38 Uhr - Antworten

    Toll geschrieben… Auch wir haben Eigenleistungen eingebracht bzw. den kompletten Innenausbau in Eigenregie durchgeführt… Es war toll.. trotzdem gab es natürlich auch viele Fehler und vieles was wir anders gemacht hätten, wenn wir die Erfahrungen schon gehabt hätten… Naja was jetzt aber dazu kommt wenn man in dem Haus wohnt ist letztendlich, das ist UNSER Haus… mit allen Macken und Kanten welche wir selbst verursacht haben ;O)

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