Darum ein Architektenhaus

Wenn Du als Bauherr einfach an gute Informationen zum Bauen kommst, setze ich mich zur Ruhe.

Aber gerade platze ich fast wieder.

Denn Google zeigt für den Suchbegriff Architektenhaus auf der ersten Seite keinen Eintrag von einem Architekten. Stattdessen von Fertighausanbietern oder Immobilienportalen, die so viele Halbwahrheiten über Architektenhäuser verbreiten, dass ich die Axt nehmen könnte. (Meine Art mich abzureagieren, wenn beim Hausbau mal was nicht so gut läuft.)

Text: Mario Hermann
Letzte Bearbeitung: 06.06.2019

Was mich so aufregt?

Ich hab hier mal 3 Beispiele für Dich.

#1 „Ein Architektenhaus muss nicht teuer sein.“ oder

#2 „Die Bauzeit wird vom Architekten berechnet, also weißt Du vorher, wann Du Deine Wohnung kündigen solltest.“ oder

#3 „Der Architekt nimmt alle Bauvorgänge und Arbeiten ab.“

Solche Infos sind wie Wein im Tetrapack.

Schmeckt schon ein bisschen, dafür hast Du am nächsten Tag garantiert Kopfschmerzen.

Plürre.

Im besten Fall verschwendest Du Deine Zeit, weil der Wert gleich null ist. Wahrscheinlicher ist, dass Du bewusst oder unbewusst danach handelst und unnötige Risiken eingehst. Beispielsweise wenn Du Dich zurücklehnst und denkst: „Ich bezahle ja einen Architekten, der macht schon alles, da kann ich ja mein Hirn ausschalten.“

So, genug gemotzt.

Kommen wir zu den schönen Dingen im Leben.

Dem Architektenhaus.

Wenn Du mir 5 Minuten Deiner wertvollen Zeit schenkst, dann erfährst Du, was wirklich zählt.

Das Lebensgefühl im Architektenhaus.

Ich bin Geniesser, geb ich zu.

Und im Nachhinein muss ich sagen, dass mich mein Hausbau stark verändert hat.

Was ich genau meine?

Meine Wahrnehmung.

Heute gibt es soviel Geschrei da draußen, dass es schwierig ist, das Gute zu finden. Wir werden von Marketingspezialisten trainiert. Bunte Hochglanzbilder, schnelle Bauzeiten und geringe Kosten locken. Dabei gibt es Wichtigeres.

Der Architekt kennt die verborgenen Qualitäten der Baustoffe. Schon durch diesen Fakt allein, ist er sein Honorar wert. Dämmstoffe sind hier ein gutes Beispiel. Aber auch Oberflächen beim Innenausbau. Gerüche. Schall. Wärmespeicherung.

Seit Start meines Hausbauprojekts macht es mir eine Riesenfreude, Räume mit allen Sinnen wahrzunehmen. Hotels, Gaststätten, Kneipen und Museen bieten dazu gute Gelegenheiten. Aber auch Musterhausausstellungen.

Wenn ich die Augen schließe, meine Hand über die Oberflächen gleiten lasse und bewusst 10 Mal tief einatme. Dann erlebe ich einige der verborgenen Qualitäten.

Dann frage ich mich: Was ist das für ein dezenter chemischer Geruch im Hintergrund? Warum klingt der Wohnraum wie eine Bahnhofshalle? Warum fühlen sich die Fliesen so klebrig an, obwohl Sie sauber sind? Alles Punkte, die nichts mit Hochglanzbildern und flotten Marketingsprüchen zu tun haben und unser Wohlbefinden doch so stark beeinflussen.

Das Architektenhaus hätte es verdient

Beim Umzug in mein Haus musste ich meine Stühle entsorgen. Nichtmal bei eBay Kleinanzeigen wollte die jemand haben. Warum? Die Dinger haben gewackelt. Die Holzverbindungen waren so locker, dass der Leim nicht halten konnte und die kleinen Schrauben, die den Fehler beheben sollten, wurden schon viel zu oft nachgezogen.

Dabei klang das vor 3 Jahren doch so gut: „Eiche, massiv, geölt.“

Die Worte stehen für Beständigkeit.

Aber nix da.

Denn es kommt auf die Details an.

Nicht nur bei den Stühlen, werden Begriffe die Wertigkeit suggerieren, durch Marketingaffen so lange überstrapaziert, bis der alte Glanz verschwunden ist.  Der Begriff Architektenhaus ist ein gutes Beispiel. Viele Hausbaufirmen werben damit ohne einen Bruchteil der Leistung zu bieten.

Die Krönung war ein Massivhausanbieter, der auf seiner Seite mit Architektenplanung warb. Im Gespräch vor Ort stellte sich dann heraus, dass die Architektin gerade Ihr Studium beendet hatte und nun Ihren Mann im Familienunternehmen unterstützt. Ich hab Sie nur gesehen, als Sie mir einen Kaffee gebracht hat. Das ist kein Einzelfall.

Schade, dass sich einige Architekten kastrieren lassen, um in großen Firmen Ihr (sicheres) Auskommen zu finden.

In meiner Welt ist ein Architektenhaus IMMER von einem freien Architekten geplant. Denn ein Angestellter beim Massivhaus- oder Fertighaushersteller ist eben nicht frei, sondern an die Geschäftsinteressen der Baufirma gebunden. Das ist der große Unterschied. So ein Angestellter wird Dir als Bauherr nicht unbedingt das Günstigste empfehlen, sondern die Lösung, die seiner Firma den größten Gewinn verspricht.

Warum also, ist der Begriff nicht ausschließlich für die Werke freier Architekten zugelassen?

Das Architektenhaus hätte es verdient.

Der Wert von Schönheit

Wenn Du im Leben alles mit Zahlen misst, dann entgeht Dir das Beste.

Gänsehaut.

Dieses unbeschreibliche Gefühl, wenn Du ein Lied hörst, dass Deine liebsten Erinnerungen hoch holt, oder wenn Du das erste Mal beim neuen Vietnamesen sitzt und einen Salat isst, der Dich bei jedem Bissen rätseln lässt, wie so ein Geschmackserlebnis überhaupt möglich ist.

Gute Architektur kann auch verzaubern.

Immer wieder.

Jahre lang.

Und das Beste: Wenn Du Dein Haus doch mal verkaufen willst, kannst Du mit einem höheren Preis rechnen.

In der Zwischenzeit freust Du dich Tag für Tag über gelungene Lösungen.

Diesen Wert kannst Du nicht in € ausdrücken.

Chancen und Risiken

Es ist kein Selbstläufer ein Architektenhaus zu bauen. Deshalb will ich Dir 3 Situationen zeigen, die kritisch werden können und Dir sagen, wie Du das Risiko minimieren kannst.

#1. Die Bauzeit verzögert sich.

Wenn Du mit Architekten baust, ist das relativ normal. Die Gründe sind vielfältig und häufig dem normalen Bauprozess geschuldet. Wenn jedes Gewerk einzeln ausgeschrieben wird, dann ist es eine enorme Herausforderung alle Handwerker zu koordinieren. Wenn die Auftragsbücher gut gefüllt sind, sagt ein Handwerker auch schon mal kurz vorher ab. Die durchschnittliche Bauzeit ist einfach länger. Aber wenn ich mir etwas gönne, wie ein gutes Essen, dann warte ich gern ein paar Minuten länger.

Bei der Abstimmung des Einzugstermins ist Vorsicht geboten. Wir sind mit 4 Wochen Puffer gut hingekommen. Am Ende war trotzdem kein Tag zu viel, aber wir hatten keinen Stress. Klar: Die Deadline für die Handwerker habe ich nur zähneknirschend nach hinten verschoben. Sonst hätten selbst die 4 Wochen Puffer nicht gereicht.

#2. Das Architektenhaus wird zum Experiment

Wie bei mir. Mein Experiment war es kostengünstige Lösungen beim Hausbau zu finden. Die Ausschreibung und Vergabe der Bauleistungen an jedes Gewerk einzeln bietet dafür eine optimale Grundlage. So kannst Du gemeinsam mit Deinem Architekten entscheiden, was Handwerker bauen und was Eigenleistung wird.

Architektenhäuser sind oft auch für andere Experimente bekannt: Experimente mit Materialien, Formen und Farben. Das sind die Zutaten, die das Architektenhaus zu etwas Besonderem machen. Doch die gestalterische Rafinesse kann auch leicht daneben gehen. Wenn es nur wenige Handwerker gibt, die die Technik beherrschen, dann zahlst Du oft überproportional viel. Und Du hast eine gute Chance, an Handwerker zu geraten, denen die Methode auch neu ist. Wie mein Putz mit Besenstrich. Also bei exotischen Lösungen besser immer nach Referenzen fragen. Außerdem sind Probeflächen ein ausgezeichnetes Mittel, um die erwartete Qualität abzustimmen.

So wirds für Bauherren und Handwerker entspannter.

#3. Die Kosten laufen aus dem Ruder

Architekturprojekte sind vor allem für eins bekannt: Kostensteigerungen. Die vermeintliche Sicherheit, die beim Hausbau mit Architekten durch Kostenschätzung, Kostenberechnung und Kostenkontrolle aufgebaut wird, ist trügerisch. Mehr noch: mein Architekt hat auf Rückfrage sogar mehrmals betont, dass im Projektbudget kein Puffer notwendig ist, sondern die prognostizierten Kosten immer erreicht werden!

Hätte ich mich darauf verlassen und nur die normalen Bauherrenaufgaben erledigt, hätte ich ca. 10% mehr gezahlt als prognostiziert.

Tatsächlich bin ich mit Kreativität und Ausdauer wesentlich billiger weggekommen.

Wie ich das genau gemacht habe erfährst Du in meinem eBook „So habe ich beim Hausbau über 80.000€ gespart.“

Meine Gründe für ein Architektenhaus

#1 Das Haus passt zur Umgebung

Warst Du schonmal mit Anzug am See baden? Kannst Du machen, aber wohl fühlst Du Dich dabei nicht. Weil Dein Outfit nicht zur Umgebung passt. Genauso kann es Dir mit einem Haus gehen, wenn es nicht in die Nachbarschaft passt. Achte mal darauf, wenn Du neu gebaute Häuser anschaust!

Architektenhäuser passen immer besser in die Umgebung. Und dieses Einpassen in die Umgebung wirkt nicht nur optisch. Auch der Wohnkompfort steigt, weil der Architekt die Ausrichtung des Grundstücks und Fassadengestaltung viel besser an Deine Grundstückssituation anpasst.

Architektenhaus Grundstück
Anpassung an Hanggrundstück
Architektenhaus zur Straße
Geschlossene Fassade zur Straße
Architektenhaus mit Blick ins Tal
Offene Fassade zum Tal

Übrigens: Die optimale Anpassung an das Grundstück ist auch der Grund, warum auf günstigeren Restflächen ausschließlich Architektenhäuser stehen.

#2 Eine Fassade mit Charakter

Ist Dir auch schonmal aufgefallen, dass die Fassade von Fertighäusern oft unstimmig wirkt?

Weil die Symmetrie und der Rhythmus bei der Fassadengestaltung fehlt. Der Grund ist einfach: bei Fertighausanbietern oder Massivhausfirmen wird die Fassade oft ausschließlich durch die Raumorganisation im Grundriss bestimmt.

Hinzu kommt noch, dass die Fassaden oft langweilig wirken. Systembedingt. Schließlich müssen die standardisierten Planungen dem Durchschnittsbauherren gefallen. Und was ist die Folge? Alle Ecken und Kanten, die dem Haus Charakter geben, werden weggelassen.

Nicht so bei Architektenhäusern.

Wenn Du einen besonderen Eindruck hinterlassen willst, dann hat der Architekt das Handwerkszeug dazu.

Architektenhaus Fassade
Passender Texturmix – hier die zeitlos schöne Kombination von Lärchenholz mit Glas
Architektenhaus mit Sichtbetaon
Besondere Materialien – hier Sichtbeton mit Flußkies aus der Umgebung
Architektenhaus Farbe
Harmonische Farben – kräftige Farben beleben gedeckte Erdtöne.

#3 Außergewöhnliche Flexibilität

Wenn Du was Besonderes vor hast, kommst Du am Architektenhaus nicht vorbei. Dazu mal drei Beispiele.

  • Bei uns in Leipzig versteigert die Stadt gern Grundstücke an den Meistbietenden. Selbst mit einem ordentlichen Zuschlag auf den Bodenrichtwert konnten wir nicht punkten. Mit verträglichen Grundstückspreisen hast Du nur auf Restflächen eine Chance. Kleine oder besonders schmal geschnittene Grundstücke will der Durchschnittsbauherr nicht. In Verbindung mit einem Architektenhaus können trotzdem schöne Häuser entstehen.
  • Beim Hausbau extrem sparen? Wenn Du flexibel genug bist, ist gemeinsam mit einem Architekten so einiges möglich. Beispielsweise auch der Abbau eines Musterhauses und Wiederaufbau auf Deinem Grundstück. Ein exotisches Beispiel, gebe ich zu.
  • Außerdem kannst Du den Grad der Eigenleistungen mit dem Architekten sehr flexibel gestalten. Dabei musst Du nicht befürchten zwar Eigenleistungen zu erbringen, aber die Marge trotzdem dem Fertighausanbieter in den Rachen zu werfen. Was Du genau in Eigenleistung erbringen willst, solltest Du bis zur Erstellung der Ausschreibungsunterlagen abstimmen. Und welche Eigenleistungen sich wirklich lohnen, erfährst Du in meinem eBook.

#4 Raumgestaltung wirklich individuell

Vor unserem Hausbau haben wir in einer Gründerzeitwohnung im Leipziger Westen gewohnt. Dort war die Deckenhöhe 3,30m. Hausbaufirmen bieten aber häufig nur eine Raumhöhe von 2,6m. Das sind immerhin 70cm weniger. Wenn ich das nicht will und die Deckenhöhe zumindest auf 3m erhöhe, kommen die ersten satten Zuschläge. Und mit dem Wunsch nach einem offenen Dachraum konnte auch keiner umgehen.

Das sprengt sofort die individuelle Planung mit der Fertighausanbieter so gern werben… Dabei ist gerade ein Wechsel zwischen offenen, großzügigen Bereichen und kuscheligen Nischen besonders reizvoll.

#5 Zukunft vordenken

Wie soll Dein Haus sein, wenn die Kinder raus sind? Und wie, wenn Du Deine Rente geniest? Ich habe dazu nicht tagelang nachgedacht, aber zwei Punkte waren mir wichtig.

1. Das Arbeitszimmer und die beiden Kinderzimmer sollen später in einen Raum verwandelt werden können. Dann kann ich immer noch entscheiden, was ich mit den 36qm mache.

So habe ich den Zukunftstrend „Wohnen durch flexible Raumaufteilungen“ in meinen Hausbau einfließen lassen. Große Räume können immernoch mit Möbelstücken oder flexiben Raumteilern gestaltet werden. Ich liebe Felxibilität.

2. Wir haben uns für einen Bungalow entschieden. Ich muss keine Treppen steigen, wenn ich nicht will. Und ich habe einen dirketen Zugang zum Garten.

Vorsicht: Vergiftungsgefahr

Bei der Zusammenarbeit mit dem Architekten gab es auch für mich einige Überraschungen. Mit einer falschen Erwartungshaltung kann sich das Verhältnis ganz schnell verkampfen. Gott sei Dank konnte ich in kritischen Momenten immer einen befreundeten Architekt anrufen. Es ist wohl nicht selten, dass einige essentielle Fragen mitten im Projekt auftauchen und dann die Stimmung vergiften.

Damit Dir das nicht passiert, hier die wichtigsten Punkte, über die Du Dir vor Projektstart und Unterzeichnung des Architektenvertrags klar sein solltest.

  • Du schließt mit dem Architekten einen Werkvertrag. Ziel ist die Übergabe eines fertigen Hauses und keine Dienstleistung. Der Architekt muss Dich also nicht bis ins letzte Detail beraten, warum etwas genau so gebaut wird.
  • Leistungsumfang und Honorar bemisst sich nach der HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) Hier gibt es leider nur begrenzten Verhandlungsspielraum. Das Honorar beträgt ca. 15% der Baukosten. In der Regel wird jedoch der Mindestsatz veranschlagt. Wenn Du Lust hast, kannst Du hier mal das Honorar kalkulieren.
  • Leistungen anderer Planer, wie Elektro, HLS oder auch die Planung der Erschließung sind nicht dabei. Aber für Häuslebauer ist es nicht sinnvoll einen extra Planer für Elektro, HLS oder Erschließung zu beschäftigen. Meist macht das der Architekt auch einfach mit. Dennoch sind die Leistungen streng genommen nicht im Leistungsumfang eines Architektenvertrags nach HOAI enthalten. Wie das Dein Architekt hält, sollte im Vertrag festgehalten werden.
  • Der Architekt kann den Vertrag während der Projektlaufzeit nur außerordentlich kündigen. Meiner hat das zwischenzeitlich angedroht, ohne das ein außerordentlicher Grund vorlag. Persönliche Beleidigungen oder Wutattacken also besser am Hackstock ausleben… So kommt der Architekt kaum aus dem Vertrag raus. Du schon.

Es gibt also genug Gründe für ein Architektenhaus

Aber ein Selbstläufer ist es nicht.

Du suchst Beispiele, die zeigen, dass ein Architektenhaus nicht teurer sein muß, wenn Du es richtig anstellst? Dann hier lang: In meinem eBook verrate Dir, wie ich es hinbekommen habe. Nein, das gibt’s nicht kostenlos, denn alles was einen Wert hat, hat auch einen Preis.

Bleib neugierig.

Dein Mario

Nachschlag gefällig?

Mai 2019|0 Kommentare

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